Ministerbesuch in der Stammzellbank

Transfusionsmedizin

Leiter:
Prof. Dr. med. Reinhold Eckstein
Prof. Dr. med. Volker Weisbach, Prof. Dr. med. Reinhold Eckstein (beide Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen), Thomas A.H. Schöck (Kanzler der Friedrich-Alexander-Universität), Petra Guttenberger (Landtagsabgeordnete), Prof. Dr. med. Werner Hohenberger (Direktor der Chirurgischen Klinik), Dr.Markus Söder (bayerischer Umweltminister) und Joachim Herrmann (bayerischer Innenminister) besichtigen das Labor zur Aufbewahrung und Gewinnung von Stammzellen aus Nabelschnurblut am Universitätsklinikum Erlangen. (v.l.)

„Hoffnungsträger Stammzellentherapie“: Schon 530 Kliniken im Erlanger Netzwerk

In nur einem halben Jahr nach seinem Neubau ist das Zentrum zur Aufbewahrung und Gewinnung von Stammzellen aus Nabelschnurblut am Universitätsklinikum Erlangen zu einer der gefragtesten Einrichtungen seiner Art in Deutschland geworden. Mittlerweile lagern in der Nabelschnurbank über 3.000 Spenden. „Vor kurzem konnten wir die 530. Klinik in unserem Netzwerk aufnehmen“, erklärt der Leiter der federführenden Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, Prof. Dr. med. Reinhold Eckstein. Damit nimmt Erlangen bundesweit eine Spitzenstellung ein.

Von der Leistungsfähigkeit der Erlanger Mediziner überzeugten sich am 5. August Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und der bayerische Gesundheitsminister Dr. Markus Söder bei ihrem Besuch. Begleitet wurden sie vom Oberbürgermeister der Stadt Erlangen, Dr. Siegfried Balleis, der Landtagsabgeordneten Petra Guttenberger und dem Leitenden Ministerialrat im Wissenschaftsministerium Dr. Tomas Bauer.

Staatsminister Dr. Markus Söder betonte die herausragende Bedeutung und die Möglichkeiten der Stammzellgewinnung für die klinische Anwendung. „Gerade für leukämiekranke Kinder stellt die Stammzelltransplantation oft die letzte Chance auf Heilung dar,“ so Söder. Gleichzeitig dürfe jedoch nicht nur der Status Quo gefördert, sondern müsse die wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich vorangetrieben werden. Gerade das Profil der Metropolregion mit dem Medical Valley e.V. und den Kapazitäten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als Wissenschaftsinstitution böten ideale Standortbedingungen, um eine führende Stellung in Deutschland einzunehmen, so Söder weiter.

Die Stammzellen werden für die Therapie von Krebs-Patienten genutzt und sollen künftig auch zur Produktion von Körperersatzgewebe oder Ersatzorganen dienen. Erlangen ist eines der ersten drei Zentren in Deutschland, die eine Zulassung für die Herstellung von Stammzellpräparaten aus gespendetem Nabelschnurblut erhalten haben.

Der Freistaat Bayern prüft derzeit eine weitere staatliche Förderung – auch um die Versorgung der Allgemeinheit mit gespendetem Nabelschnurblut zu verbessern. „Vor diesem Hintergrund freut uns der heutige Besuch der Herren Staatsminister besonders. Wir sind zuversichtlich, dass die Haushaltsverhandlungen im Herbst in unserem Sinne positiv verlaufen werden,“ sagt Prof. Eckstein.

Das Zentrum

Für rund 3 Millionen Euro hat die klinikumseigene KlinikMedBau GmbH im Auftrag des Freistaats im Osten Erlangens in Modulbauweise auf einer Gesamtfläche von 370 m2 neben modernsten Lagerräumen zwei Reinräume (GMP-Labors) zur Produktion neuer Medikamente aus Stammzellen errichtet. „Dies bietet uns optimale Rahmenbedingungen, um die Räume jederzeit veränderten Forschungsschwerpunkten anzupassen und zu erweitern“, sagt Prof. Eckstein. Das Zentrum liegt auf dem Gelände der Hautklinik zwischen Hartmannstraße und Carl-Thiersch-Straße im Osten Erlangens. Das Universitätsklinikum Erlangen betreibt seit 10 Jahren eine öffentliche Nabelschnurblutbank. Aktuell lagern dort über 3.000 Spenden. Platz ist derzeit für 15.000 Spenden.

Die Lagerung

Das Nabelschnurblut wird direkt nach der Geburt des Kindes aus der Nabelschnur oder der Plazenta entnommen und über flüssigem Stickstoff bei etwa -170° C tiefgefroren gelagert (Kryokonservierung). In den Räumen des Erlanger Zentrums findet die Aufbereitung und Lagerung von Nabelschnurblut aus ganz Deutschland statt. „Wir gehen davon aus, dass die Zellen für das ganze Leben funktionsfähig bleiben. Stammzellen aus Nabelschnurblut sind die Hoffnungsträger in der Medizin. Auf jeden Fall ist Nabelschnurblut zum Wegwerfen viel zu schade“, so Prof. Eckstein.

Die Spende

Für Eltern gibt es in Erlangen prinzipiell zwei Möglichkeiten, Nabelschnurblut für eine eventuell einmal notwendige Stammzell-Therapie ihrer Kinder oder für andere Betroffene aufbewahren zu lassen. Zum einen die öffentliche Spende: Elternpaare haben völlig kostenfrei die Möglichkeit, das wertvolle Nabelschnurblut für die Allgemeinheit, insbesondere für Leukämiekranke, zu spenden. Diese Präparate werden in der Datenbank des Zentralen Knochenmark-Spenderregisters Deutschland (ZKRD) gelistet und sind damit auch international verfügbar. Zum anderen die private Einlagerung: Das Nabelschnurblut steht bei dieser kostenpflichtigen Variante ausschließlich dem eigenen Kind zur Verfügung und wird in keiner öffentlichen Datenbank gelistet.

Das Netzwerk

Je größer das Netzwerk von Partnerkliniken, desto mehr Präparate stehen auch der Allgemeinheit als öffentliche Spende zur Verfügung. Das Universitätsklinikum Erlangen bietet Spende, Entnahme und Aufbewahrung von Nabelschnurblut in der Geburtshilfe der Erlanger Universitätsfrauenklinik (Direktor: Prof. Dr. M.W. Beckmann) und bundesweit in weit über 500 Geburtskliniken in Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner Eticur GmbH an. Die öffentlichen Spenden werden durch Stiftungs- und Spendengelder finanziert.

 
 
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