Herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag!
Startseite
Startseite > Herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag!
 

Herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag!

Prof. Dr. Eckstein bei der Begrüßung

Großes Symposium zum 70. Geburtstag der Transfusionsmedizin in Erlangen

Die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung feiert 70-jähriges Jubiläum mit interdisziplinärem Symposium – Rückblick auf Meilensteine der Transfusionsmedizin – Grußworte durch Vertreter aus Politik und Wissenschaft

Der 16. April 1940 war ein Dienstag.

In Kopenhagen wird Margrethe II. geboren, amtierende Königin von Dänemark. Der französische Ägyptologe Pierre Montet öffnet in Tanis das Grab des Pharaos Amenemope, und das Uni-versitätsklinikum Erlangen richtet eine professionelle Blutspenderkartei ein und legt den Grundstein für die Transfusionsmedizin in Erlangen. Am 15. Oktober 2010 feierte die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung (Leiter: Prof. Dr. med. Reinhold Eckstein) ihren 70. Geburtstag mit einem wissenschaftlichen Symposium. Zur feierlichen Eröffnung sprachen Staatsminister Joachim Herrmann (Bayerisches Staatsministerium des Innern), Dr. Siegfried Balleis (Oberbürgermeister der Stadt Erlangen) und Dr. Tomas Bauer (Leitender Ministerialrat, Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, München).

Staatsminister Herrmann bei seinem Grußwort

Oberbürgermeister Balleis grüßt die Abteilung

„Ein Leuchtturmprojekt im Medical Valley“

Ohne Transfusionsmedizin und Hämostaseologie wäre die moderne Hochleistungsmedizin nicht vorstellbar. „Forschung kann nur klappen, wenn die Bereitschaft zur Blutspende vorhanden ist“, so Staatsminister Joachim Hermann. Mit der Blutbank und dem Zentrum für Nabelschnurblut verwalte die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung einen Schatz im wahrsten Sinne des Wortes, der als Leuchtturmprojekt im Medical Valley einer ganzen Region entscheidende Impulse gebe. Auch Dr. Siegfried Balleis, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen, betonte die außerordentliche Bedeutung der Abteilung, die mit der Stammzellbank unglaubliche Chancen für die Zukunft verspreche. Einen Blick nach vorn wagte auch Dr. Tomas Bauer, Leitender Ministerialrat, der seine Unterstützung bei der Planung eines neuen Funktionstraktes für die selbstständige Abteilung am Uni-Klinikum signalisierte.

Dr. Bauer überbringt die Grüße des Wissenschaftsministers

Prof. Dr. Iro

Prof. Dr. Dr. Schüttler

Die Reihe der Grußworte wurde vom Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums, Prof. Dr. med. Heinrich Iro, dem Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Schüttler, dem Kaufmännischen Direktor des Universitätsklinikums, Hr. Alfons Gebhard, dem Direktor der Chirurgischen Klinik, Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Hohenberger, und dem früheren Leiter der Abteilung, Prof. Dr. Karl Theodor Schricker nahtlos fortgesetzt.

Prof. Dr. Dr. Hohenberger

Herr Gebhard

Anschließend diskutierten renommierte Experten unterschiedlicher Fachrichtungen über die Bedeutung der Transfusionsmedizin und Hämostaseologie für innovative Therapiekonzepte zum Beispiel im Kontext von Stammzelltransplantaten, Zellkonservierung und Gewebezüchtung.

PD Dr. Strasser

Prof. Dr. Schuler

Blut ist ein besonderer Saft

Kein Operieren und keine Forschung ohne den engen Austausch mit Transfusionsmedizin und Hämostaseologie: Das menschliche Blut mit all seinen Bestandteilen ist ein besonderer Saft. Die Bandbreite der wissenschaftlichen Vorträge spiegelte die enge Verzahnung beider Disziplinen in den klinischen und wissenschaftlichen Alltag am Uni-Klinikum Erlangen wider. In vier Themenblöcken wurden aktuelle Themen der modernen Medizin von wissenschaftlichen Mitarbeitern der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung sowie den kooperierenden Kollegen aus den Kliniken dargestellt und diskutiert.
PD Dr. Strasser stellte die Ergebnisse zahlreicher wissenschaftlicher Studien zur Optimierung der Monozytapherese vor, die in den letzten Jahren in der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung durchgeführt wurden. Den Monozyten kommt eine wichtige Bedeutung bei der Forschung an dendritischen Zellen für die Impfung gegen Hautkrebs zu. Die Fortschritte dieser vielversprechenden Therapiemethode wurden von Prof. Dr. Schuler, dem Direktor der Hautklinik, im Anschluss eindrücklich dargestellt.

Prof. Dr. Weisbach

Prof. Dr. Schneider

Der Aufbau der Nabelschnurblutbank war in den letzten 10 Jahren eine zentrales Anliegen des Universitätsklinikums. Prof. Dr. Weisbach (Transfusionsmedizin) berichtete über modernes "cord blood banking", das nun einen festen Platz im Portfolio des Klinikums inne hat. Die Möglichkeiten, die sich für das moderne "tissue engineering" hieraus ergeben können, wurden von Prof. Dr. Schneider, Kinder- und Jugendklinik, ausführlich und hochinformativ beschrieben.

Im nächsten Themenblock standen die Stammzellen des Menschen im Mittelpunkt. PD Dr. Zingsem, der Leiter der Herstellung der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung, beschrieb den Weg der Stammzelle aus der Vene des Menschen bis zum kryokonservierten Zustand in den Stickstofftanks der Stammzellbank. Die Chancen, die sich aus der autologen oder allogennen Transplantation solcher hämatopoetischen Stammzellen bei krebspatienten jedweden Alters ergeben, stellten die Prof. Dr. Mackensen (Direktor der Med. Klinik 5) für die Erwachsenen und Prof. Dr. Holter (Kinder- und Jugendklinik) für die kleinen Patienten in ihren Vorträgen dar.

PD Dr. Zingsem

Prof. Dr. Mackensen

Prof. Dr. Holter

PD Dr. Ringwald

PD Dr. Stumpf

Die in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich gestiegene Bedeutung der Thrombozyten in der physiologischen und pathologischen Hämostase bedingte die parallele Entwicklung neuer Methoden zur gezielten Diagnostik von Störungen der Blutplättchenfunktion. PD Dr. Ringwald (Transfusionsmedizin) stellte in einer Übersicht die für den klinischen Alltag wichtigsten Tests vor, die insbesondere auch dazu dienen, Patienten zu erkennen, die nicht auf die thrombozytenfunktionshemmende Therapie nach kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall ansprechen. PD Dr. Stumpf (Med. Klinik 2) berichtete in seinem Vortrag über die Notwendigkeit und den Nutzen einer solchen plättchenhemmenden Therapie nach der Anlage von sog. "stents" bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit.

Prof. Dr. Zimmermann

PD Dr. Fechner

Der letzte Teil des Symposiums war die Stunde der Akutmedizin. Anhand zahlreicher klinischer Beispiele erläuterten Prof. Dr. Zimmermann (Transfusionsmedizin) und im Anschluss PD Dr. Fechner (Klinik für Anästhesiologie) die Herausforderung der Betreuung von Patienten mit Gerinnungsstörungen nach schweren Unfällen oder während großer Operationen. Hierbei wurde deutlich wie wichtig eine enge Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen (Chirurgie, Anästhesie, Transfusionsmedizin/Gerinnung) zum Wohle des schwerverletzten Patienten ist.

Von der kleinen Blutbank zum größten Zentrum für Nabelschnurblut in Bayern

Die Transfusionsmedizin in Erlangen kann auf eine ganze Reihe bedeutender Meilensteine zurückblicken. Was 1940 mit einer kleinen Blutbank begann, die 20 namentlich bekannte Blutspender verzeichnete, entwickelte sich dank intensiver Forschung ab den 1950er-Jahren und spätestens nach der Einrichtung einer zentralen Blutbank im Jahr 1967 zu einer selbstständigen Abteilung. Diese versorgt heute das gesamte Uni-Klinikum Erlangen sowie weitere Kliniken und Praxen in der Umgebung mit immunhämatologischer und hämostaseologischer Diagnostik und Beratung. Seit 2004 leitet die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung sogar das größte Zentrum für Nabelschnurblut in Bayern. „Unsere Abteilung ist eng eingebunden in nahezu alle innovativen klinischen Projekte im Uni-Klinikum“, sagt Prof. Dr. Reinhold Eckstein, Leiter der Abteilung, „deshalb war es uns wichtig, das Jubiläum gemeinsam mit Kollegen aus verschiedenen Fachrichtungen zu feiern. Besonders habe ich mich über den Vortrag von Prof. Dr. Karl Theodor Schricker gefreut. Ohne ihn wäre die Transfusionsmedizin in Erlangen nicht da, wo sie heute steht.“

Prof. Schricker berichtet aus den Anfängen

Die Aufbaujahre: 1953 bis 1992

Prof. Dr. Karl Theodor Schricker, der 1953 die Leitung der Blutbank in der Medizinischen Klinik übernahm, gilt als Pionier der frühen Jahre in der Erlanger Transfusionsmedizin. Über viele Jahre hinweg hat er die klassische universitäre Wissenschaftskultur in Transfusionsmedizin und Hämostaseologie maßgeblich geprägt. Seit 1956 verfasste er zahlreiche Arbeiten zu internistischen, immunhämatologischen, transfusionsmedizinischen und hämostaseologischen Themen. 1970 wurde Prof. Schricker mit einer Arbeit zu seltenen Blutgruppenkonstellationen und zur Sensibilisierung gegen Blutgruppenantigene habilitiert, 1975 folgte die Berufung zum Professor für Transfusionsmedizin und Hämostaseologie. Ihm ist es zu verdanken, dass das Fach Transfusionsmedizin in Erlangen erstmals in Bayern akademisch eigenständig wurde. Gleichzeitig band Prof. Schricker von Beginn an die Hämostaseologie ein, um eine bestmögliche Kooperation mit allen Fächern im Hause und den Außenkliniken zu garantieren. Das Konzept – die Verknüpfung von Versorgung mit Forschung und interdisziplinärem Wissensaustausch – hat bis heute Gültigkeit.

Auf Wachstumskurs: 1992 bis heute

Nach dem Ausscheiden von Prof. Schricker im Jahr 1992 übernahm Prof. Eckstein die Leitung der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung. In die Amtszeit des gebürtigen Münchners fielen wesentliche Entwicklungen in der Geschichte der Transfusionsmedizin in Erlangen. Zu den wichtigsten zählt zweifelsfrei die Etablierung einer erfolgreichen Forschergruppe, aus der heraus zahlreiche Promotions- und Habilitationsverfahren abgeschlossen werden konnten. Weitere Meilensteine sind der Ausbau der Abteilung, die arzneimittelrechtliche Zulassung von Blutkomponenten als Fertigarzneimittel ab Mitte der 1990er-Jahre, der Ausbau der Hämostaseologie und natürlich der Aufbau der Stammzellbank im Jahr 1998. Aus der ursprünglichen Kooperation mit der Kinderklinik als reine Plazentarestblutbank wurde in den Folgejahren eine allgemeine Stammzellbank. 2004 erhält sie vom Paul-Ehrlich-Institut als dritte Einrichtung in ganz Deutschland die Zulassung zur Herstellung von Stammzellpräparaten für innovative Therapiekonzepte zum Beispiel bei Leukämieerkrankungen. An die Stammzellbank, die autologe und allogene Einlagerungen von Stammzellen ermöglicht, sind heute über 500 Kliniken angebunden. Damit nimmt sie bundesweit eine Spitzenstellung ein.

Transfusionsmedizin und Hämostaseologie – hoch komplexe Wissenschaften

Die Transfusionsmedizin und die Hämostaseologie haben sich in vergleichsweise kurzer Zeit zu hoch komplexen Wissenschaften entwickelt. Stand am Anfang der Entwicklung (in Deutschland war das nach dem Zweiten Weltkrieg) die Konservierung von Blut im Vordergrund, stellen Transfusionsmediziner und Hämostaseologen heute die Blutversorgung der Patienten bei großen Operationen und schwersten Erkrankungen sicher und garantieren eine bestmögliche Behandlung auch bei kompliziertesten Blutgerinnungsstörungen. In der wissenschaftlichen Debatte geht es um interdisziplinäre Zusammenhänge, um die Verzahnung von Therapien zum Beispiel mit Hämatologie und Onkologie, um Stammzelltransplantate, Zellkonservierung, Gewebezüchtung uvm. „Sowohl in der Transfusionsmedizin als auch in der Hämostaseologie kommen eine Menge neuer Herausforderungen auf uns zu, die eine intensive Weiterentwicklung von Diagnostik und Therapie erfordern“, ist sich Prof. Eckstein sicher.

Festschrift „70 Jahre Transfusionsmedizin in Erlangen“

Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums hat die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung eine Festschrift herausgegeben. In „70 Jahre Transfusionsmedizin Erlangen“ blicken Prof. Reinhold Eckstein, Prof. Robert Zimmermann und PD Dr. Erwin Strasser auf die Geschichte der Transfusionsmedizin allgemein und die besondere Entwicklung in Erlangen zurück. Das Buch ist im „V&R unipress“-Verlag in Göttingen erschienen (ISBN 978-3-89971-652-8). Mehr Infos dazu finden Sie unter www.vr-unipress.de.

Die gesamte Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung im Jubiläumsjahr