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Transfusionsmedizin

Leiter:
Prof. Dr. med. Holger Hackstein, MBA
Transfusionsmedizin, Uni-Klinikum

70 Jahre voller Herzblut: Die Transfusionsmedizin in Erlangen feierte Geburtstag

Die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung feiert 70-jähriges Jubiläum mit interdisziplinärem Symposium – Rückblick auf Meilensteine der Transfusionsmedizin – Grußworte durch Vertreter aus Politik und Wissenschaft
Prof. Dr. Reinhold Eckstein
Prof. Dr. Reinhold Eckstein leitet die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung seit 1992. Bild: Uni-Klinikum Erlangen.
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Der 16. April 1940 war ein Dienstag. In Kopenhagen wird Margrethe II. geboren, amtierende Königin von Dänemark. Der französische Ägyptologe Pierre Montet öffnet in Tanis das Grab des Pharaos Amenemope, und das Universitätsklinikum Erlangen richtet eine professionelle Blutspenderkartei ein und legt den Grundstein für die Transfusionsmedizin in Erlangen. Am 15. Oktober 2010 feierte die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung (Leiter: Prof. Dr. med. Reinhold Eckstein) ihren 70. Geburtstag mit einem wissenschaftlichen Symposium. Nach der feierlichen Eröffnung durch Staatsminister Joachim Herrmann (Bayerisches Staatsministerium des Innern), Dr. Siegfried Balleis (Oberbürgermeister der Stadt Erlangen) und Dr. Tomas Bauer (Leitender Ministerialrat, Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, München) sprachen der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Prof. Dr. med. Heinrich Iro, der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler, der Kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums, Alfons Gebhard, der Direktor der Chirurgischen Klinik, Prof. Dr. Werner Hohenberger, und der frühere Leiter der Abteilung, Prof. Dr. Karl Theodor Schricker, Grußworte. Anschließend diskutierten renommierte Experten unterschiedlicher Fachrichtungen über die Bedeutung der Transfusionsmedizin und Hämostaseologie für innovative Therapiekonzepte zum Beispiel im Kontext von Stammzelltransplantaten, Zellkonservierung und Gewebezüchtung.

„Ein Leuchtturmprojekt im Medical Valley“

Ohne Transfusionsmedizin und Hämostaseologie wäre die moderne Hochleistungsmedizin nicht vorstellbar. „Forschung kann nur klappen, wenn die Bereitschaft zur Blutspende vorhanden ist“, so Staatsminister Joachim Herrmann. Mit der Blutbank und dem Zentrum für Nabelschnurblut verwalte die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung einen Schatz im wahrsten Sinne des Wortes, der als Leuchtturmprojekt im Medical Valley einer ganzen Region entscheidende Impulse gebe. Auch Dr. Siegfried Balleis, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen, betonte die außerordentliche Bedeutung der Abteilung, die mit der Stammzellbank unglaubliche Chancen für die Zukunft verspreche. Einen Blick nach vorn wagte auch Dr. Tomas Bauer, Leitender Ministerialrat, der seine Unterstützung bei der Planung eines neuen Funktionstraktes für die selbstständige Abteilung am Uni-Klinikum signalisierte.

Kein Operieren und keine Forschung ohne den engen Austausch mit Transfusionsmedizin und Hämostaseologie: Das menschliche Blut mit all seinen Bestandteilen ist ein besonderer Saft. Die Bandbreite der wissenschaftlichen Vorträge spiegelte die enge Verzahnung beider Disziplinen in den klinischen und wissenschaftlichen Alltag am Uni-Klinikum Erlangen wider. In vier Themenblöcken ging es unter anderem um die Rolle von Monozyten bei der Forschung an dendritischen Zellen für die Impfung gegen Hautkrebs, die Gewinnung und Einlagerung von Nabelschnurblut, die Chancen der Stammzellentransplantation bei Krebspatienten, die moderne Diagnostik von Störungen der Blutplättchenfunktion, den Nutzen der Gerinnungshemmung bei Herzpatienten und die Herausforderung der Betreuung von Patienten mit Gerinnungsstörungen nach Unfällen oder während großer Operationen.

Von der kleinen Blutbank zum größten Zentrum für Nabelschnurblut in Bayern

Die Transfusionsmedizin in Erlangen kann auf eine ganze Reihe bedeutender Meilensteine zurückblicken. Was 1940 mit einer kleinen Blutbank begann, die 20 namentlich bekannte Blutspender verzeichnete, entwickelte sich dank intensiver Forschung ab den 1950er-Jahren und spätestens nach der Einrichtung einer zentralen Blutbank im Jahr 1967 zu einer selbstständigen Abteilung. Diese versorgt heute das gesamte Uni-Klinikum Erlangen sowie weitere Kliniken und Praxen in der Umgebung mit immunhämatologischer und hämostaseologischer Diagnostik und Beratung. Seit 2004 leitet die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung sogar das größte Zentrum für Nabelschnurblut in Bayern. „Unsere Abteilung ist eng eingebunden in nahezu alle innovativen klinischen Projekte im Uni-Klinikum“, sagt Prof. Dr. Reinhold Eckstein, Leiter der Abteilung, „deshalb war es uns wichtig, das Jubiläum gemeinsam mit Kollegen aus verschiedenen Fachrichtungen zu feiern. Besonders habe ich mich über den Vortrag von Prof. Dr. Karl Theodor Schricker gefreut. Ohne ihn wäre die Transfusionsmedizin in Erlangen nicht da, wo sie heute steht.“

Die Aufbaujahre: 1953 bis 1992

Prof. Dr. Karl Theodor Schricker, der 1953 die Leitung der Blutbank in der Medizinischen Klinik übernahm, gilt als Pionier der frühen Jahre in der Erlanger Transfusionsmedizin. Über viele Jahre hinweg hat er die klassische universitäre Wissenschaftskultur in Transfusionsmedizin und Hämostaseologie maßgeblich geprägt. Seit 1956 verfasste er zahlreiche Arbeiten zu internistischen, immunhämatologischen, transfusionsmedizinischen und hämostaseologischen Themen. 1970 wurde Prof. Schricker mit einer Arbeit zu seltenen Blutgruppenkonstellationen und zur Sensibilisierung gegen Blutgruppenantigene habilitiert, 1975 folgte die Berufung zum Professor für Transfusionsmedizin und Hämostaseologie. Ihm ist es zu verdanken, dass das Fach Transfusionsmedizin in Erlangen erstmals in Bayern akademisch eigenständig wurde. Gleichzeitig band Prof. Schricker von Beginn an die Hämostaseologie ein, um eine bestmögliche Kooperation mit allen Fächern im Hause und den Außenkliniken zu garantieren. Das Konzept – die Verknüpfung von Versorgung mit Forschung und interdisziplinärem Wissensaustausch – hat bis heute Gültigkeit.

Auf Wachstumskurs: 1992 bis heute

Nach dem Ausscheiden von Prof. Schricker im Jahr 1992 übernahm Prof. Eckstein die Leitung der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung. In die Amtszeit des gebürtigen Münchners fielen wesentliche Entwicklungen in der Geschichte der Transfusionsmedizin in Erlangen. Zu den wichtigsten zählt zweifelsfrei die Etablierung einer erfolgreichen Forschergruppe, aus der heraus zahlreiche Promotions- und Habilitationsverfahren abgeschlossen werden konnten. Weitere Meilensteine sind der Ausbau der Abteilung, die arzneimittelrechtliche Zulassung von Blutkomponenten als Fertigarzneimittel ab Mitte der 1990er-Jahre, der Ausbau der Hämostaseologie und natürlich der Aufbau der Stammzellbank im Jahr 1998. Aus der ursprünglichen Kooperation mit der Kinderklinik als reine Plazentarestblutbank wurde in den Folgejahren eine allgemeine Stammzellbank. 2004 erhält sie vom Paul-Ehrlich-Institut als dritte Einrichtung in ganz Deutschland die Zulassung zur Herstellung von Stammzellpräparaten für innovative Therapiekonzepte zum Beispiel bei Leukämieerkrankungen. An die Stammzellbank, die autologe und allogene Einlagerungen von Stammzellen ermöglicht, sind heute über 500 Kliniken angebunden. Damit nimmt sie bundesweit eine Spitzenstellung ein.

Transfusionsmedizin und Hämostaseologie – hoch komplexe Wissenschaften

Die Transfusionsmedizin und die Hämostaseologie haben sich in vergleichsweise kurzer Zeit zu hoch komplexen Wissenschaften entwickelt. Stand am Anfang der Entwicklung (in Deutschland war das nach dem Zweiten Weltkrieg) die Konservierung von Blut im Vordergrund, stellen Transfusionsmediziner und Hämostaseologen heute die Blutversorgung der Patienten bei großen Operationen und schwersten Erkrankungen sicher und garantieren eine bestmögliche Behandlung auch bei kompliziertesten Blutgerinnungsstörungen. In der wissenschaftlichen Debatte geht es um interdisziplinäre Zusammenhänge, um die Verzahnung von Therapien zum Beispiel mit Hämatologie und Onkologie, um Stammzelltransplantate, Zellkonservierung, Gewebezüchtung uvm. „Sowohl in der Transfusionsmedizin als auch in der Hämostaseologie kommen eine Menge neuer Herausforderungen auf uns zu, die eine intensive Weiterentwicklung von Diagnostik und Therapie erfordern“, ist sich Prof. Eckstein sicher.

Festschrift „70 Jahre Transfusionsmedizin in Erlangen“

Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums hat die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung eine Festschrift herausgegeben. In „70 Jahre Transfusionsmedizin Erlangen“ blicken Prof. Reinhold Eckstein, Prof. Robert Zimmermann und PD Dr. Erwin Strasser auf die Geschichte der Transfusionsmedizin allgemein und die besondere Entwicklung in Erlangen zurück. Das Buch ist im „V&R unipress“-Verlag in Göttingen erschienen (ISBN 978-3-89971-652-8). Mehr Infos dazu finden Sie unter www.vr-unipress.de.

 

Zeittafel

Geschichte der Transfusionsmedizinischen u. Hämostaseologischen Abteilung

1940

Einrichtung eines Blutspendernachweises in der Medizinischen Klinik. Aus diesem Blutspendernachweis entwickelt sich eine Blutbank der Medizini-schen Klinik.

1951

Einrichtung einer Blutbank in der Chirurgischen Klinik

1953

Die Blutbank der Medizinischen Klinik erhält mit Dr. Karl Theodor
Schricker einen ärztlichen Leiter.

1955

Auch die Blutbank der Chirurgischen Klinik erhält einen ärztlichen Leiter: Dr. Norbert Steinhardt.

1967

Die Direktoren der Chirurgischen und der Medizinischen Klinik Prof. Gerd Hegemann und Prof. Ludwig Demling schaffen im Operationstrakt der Chi-rurgischen Klinik eine zentrale Blutbank für das gesamte Universitätsklini-kum. Die Leitung wird Dr. Karl Theodor Schricker übertragen.

1976

Unter Leitung von Prof. Karl Theodor Schricker entsteht die selbstständige Abteilung für Transfusionsmedizin und Hämostaseologie in der Chirurgischen Klinik.

1992

Prof. Reinhold Eckstein wird Nachfolger von Prof. Karl Theodor Schricker und übernimmt die Leitung der Abteilung für Transfusionsmedizin und Hä-mostaseologie. Im selben Jahr erhält die Abteilung neue Räume für
ihre hämostaseologischen und hämatologischen Laboratorien im Haken-bau.

1994

Inbetriebnahme neuer Blutspenderäume in der Schillerstraße 8

1995

Der Leiter der Abteilung wird zum Transfusionsverantwortlichen für das Universitätsklinikum bestellt.

1996

Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen lässt von der Abteilung hergestellte Blutbestandteilkonserven als Fertigarzneimittel zu.

1998

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst genehmigt die Einrichtung einer Plazentarestblutbank in der Artilleriestraße. Diese wird 1999 in Betrieb genommen.

2004

Das Paul-Ehrlich-Institut lässt von der Abteilung hergestellte Stammzellen aus Plazentarestblut als Fertigarzneimittel zu.

2009

Der Erweiterungsbau der Stammzellbank wird fertiggestellt und eingeweiht.

 

Ansprechpartner für die Redaktionen:

Transfusionsmedizin
PD Dr. med. Jürgen Ringwald
Telefon: 09131 85-32761
E-Mail: juergen.ringwaldatuk-erlangen.de

Zur Transfusionsmedizin

Birke|Partner Kommunikationsagentur GmbH
Julia Wilmer
Telefon: 09131 8842-27
E-Mail: julia.wilmeratbirke.de

Rund 140 Gäste feierten den 70-jährigen Geburtstag der Transfusionsmedizin
Rund 140 Gäste feierten den 70-jährigen Geburtstag der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung. Beim Symposium diskutierten Experten unterschiedlicher Fachrichtungen die Bedeutung der Transfusionsmedizin und Hämostaseologie für innovative Therapiekonzepte. Bild: Sebastian Stenz.
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